Neue Deutsche Presse

Youtube-Star – Der nette Stereotyp von nebenan

von Danica Bensmail

Deutsche sind humorlos – über den Franken Flula lachen die Amerikaner trotzdem.

Es ist 6:32. Ein Mann – scheinbar nackt – liegt verschlafen im Bett und spricht durch ein Youtube Video mit dem Internet. Auf Englisch. Das Reden fällt ihm schwer so früh am Morgen. Der starke deutsche Akzent macht es nicht leichter. Irritation.

Der Topf dürfe den Wasserkessel nicht schwarz nennen, sagt der Mann. Das sei eindeutig rassistisch. Es sei doch egal welchen Ursprung der Kessel habe. Wenn der Topf wolle, solle er halt African-American sagen. Aber schwarz? Nein! „You guys are a team“, sagt der Mann vorwurfsvoll. Der Topf mache das Nudelwasser, der Kessel das Kaffeewasser.

Stein des Anstoßes ist ein Sprichwort. That’s the pot calling the kettle black. Zu deutsch: Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen.

Amerikanische Sprichwörter machen ihm zu schaffen. Er lebt noch nicht lange in den USA. Er kommt aus Erlangen, ist Deutscher und heißt Flula. DJ, Entertainer, Idiomen-Philosoph und Internet-Meme.

Mal spröde, mal blöde, immer kreativ

Flula lebt in Youtube, Los Angeles. 200 Videos hat er in den Vergangenen sechs Jahren hochgeladen. Mal baut er Beats – nackt in der Dusche, während einer Autofahrt um den Block remixt er den Stones-Klassiker Satisfaction mit Dirk Nowitzky und zwei Cheerleadern. Ein anderes Mal führt er Larry Kings Hund Gassi oder dekonstruiert Sprichwörter mit seiner ganz eigenen Flula-Logik – Flogik sozusagen.

Mal spröde, mal blöde, immer kreativ aber vor allem eines: lustig. Flulas Humor lebt von den sogenannten falschen Freunden und der bewussten Germanisierung des Englischen. Fast einer Viertelmillion Menschen gefällt das. So sehr, dass sie seinen Youtubekanal abonniert haben.

Ein Deutscher über den und mit dem die Amerikaner lachen können, ist eine Neuheit. Denkt man in Übersee an Deutschland, denkt man im besten Fall an Ingenieurskunst, schnelle Autos und Präzision. Im schlechtesten Fall denkt man an einen Österreicher. An Humor denkt man nicht.

Dafür gelten die Menschen oft als zu kühl und kalkuliert, die Sprache als zu hart. Dabei ist gerade Sprache ein großartiges Vehikel für Humor. Eine falsche Präposition genügt, um heitere Doppeldeutigkeiten und Missverständnisse zu provozieren. Flula zeigt wie und entzieht sich dabei gängigen Klischees des Deutschen. Keine Lederhose, kein Oktoberfest. Keine Härte. Bereits sein Name klingt sanft. Flula. Fast wie flower, eine Blume.

Manche seiner Videos wirken geradezu amateurhaft. Wackelige Kamera, 480p, kein HD. Das ist charmant, weil es echt wirkt zwischen den zunehmend professionellen Youtube Produktionen. Täuschen lassen sollte man sich davon jedoch nicht.

Flulas Kanal hat über 30 Millionen views. Er ist vernetzt mit allen großen Social Media Seiten und verkauft auf seiner Webseite eigene Hörbücher und gute Laune made in Germany.

Unser PR-Außenposten in den USA. Flula – der nette Stereotyp von nebenan.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am Januar 24, 2014 von in Kultur & Medien und getaggt mit , , , , , , .
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