Neue Deutsche Presse

Präsident Jose Mujica – Ein ganz normaler Mensch

von Helena Uran Bidegain

Jose Mujica - Präsident von Uruguay (c)Flickr/Vince Alongi

Jose Mujica – Präsident von Uruguay (c)Flickr/Vince Alongi

Jose Mujicas Bild passt nicht unbedingt zu einem Staatsoberhauptes des 21. Jahrhunderts. Er wohnt auf einem Bauernhof, fährt seinen alten Käfer und spendet 90% seines Lohns. „Ich verkleide mich nicht zum Präsidenten, ich bin einfach so, wie ich immer war“. Uruguays Staatsoberhaupt im Portrait.

Er sieht aus wie ein Opa, ein Opa der sich nicht viel um sein Äußeres kümmert. Er lässt sich nie mit Krawatte sehen, denkt nicht viel darüber nach, ob seine Haare am richtigem Platz sitzen und er hasst Anstandsregeln. Mit seiner Frau wohnt er seit Jahren in einem kleinen Haus außerhalb Montevideo, der Hauptstadt Uruguays. Kinder hat er keine, nur einen lahmen Hund mit dem Namen Manuela. Er fährt einen blauen Käfer von 1968 und besitzt drei Traktoren mit denen er immer noch auf seinem kleinen Landgut arbeitet. Das wäre alles normal, wenn es sich nicht um einen Präsidenten handeln würde. 2010 wurde Jose Mujica Präsident von Uruguay. Seine einfache Art zu leben ist das, was am Anfang die internationale Presse auf ihn aufmerksam machte und der Grund aus dem er als „der ärmste Präsident der Welt“ bekannt wurde.

Er hingegen sieht sich selbst nicht so: „Für mich ist derjenige arm, der immer mehr zum Leben braucht und nicht derjenige, der mit wenig gut leben kann. Ich habe genug“, sagte er im Interview mit AFP. Mujica wohnt nicht im Präsidentenpalast, sondern lieber in seinem alten Haus, das nur von zwei Polizisten bewacht wird – obwohl er auf diese Sicherheitsmaßnahme lieber verzichten würde. Im Winter 2012 entschloss sich Mujica die Präsidentenresidenz für einen bewundernswerten Zweck zu benutzen: Obdachlose, die keinen Platz in einem richtigen Obdachlosenasyl gefunden hatten, durften dort wohnen bis sich die Lage dieser Menschen gelöst hatte. Die ersten waren eine Mutter und ihr Kind. Mujica ist für die Augen vieler ein Mann des Volkes. Sein Bild passt nicht unbedingt zusammen mit dem eines Staatsoberhauptes des 21. Jahrhunderts. „Ich verkleide mich nicht zum Präsidenten, ich bin einfach so wie ich immer war“, sagte er der BBC. Von seinen monatlich 12.000 US-Dollar Einkommen spendet er 90% für soziale Zwecke und laut seiner Auskunft besitzt er zusammen mit seiner Frau rund 200.000 US-Dollar. „Ich mag es nicht, wenn die Leute sagen, dass ich in Genügsamkeit lebe. Ich mag es lieber zu sagen, dass ich schlicht lebe, weil dies eine positive Konnotation hat. Ich bin reich, weil ich Zeit habe, um das zu machen, was ich gerne mag und nicht an Materielles gebunden bin“, sagte er in einem Interview mit der CNN. Er nutzt weder Twitter noch E-Mail und in seiner Freizeit widmet er sich dem Anbau von Blumen und Gemüse.

Eine filmreife Vergangenheit

Seine Vergangenheit ist so faszinierend wie seine Gegenwart. In den 60er Jahren gründete er mit anderen die Movimiento de Liberación Nacional-Tupamaros. Auf Deutsch: Nationale Befreiungsbewegung. Eine sozialistisch orientierte Bewegung, die später zu einer urbanen, bewaffneten Guerilla wurde. Während der Militärdiktatur 1973 wurde er unter erniedrigenden Bedingungen ins Gefängnis gesperrt bis 1985 die Demokratie zurückkehrte. Mujica und andere ehemalige Mitglieder der Tupamaros gingen in die Politik wo sie einen etwas radikaleren Flügel in der Linkspartei Frente Amplio gründeten.  1995 kamen alle Abgeordneten mit Anzug und Krawatte ins Parlament. Bei der ersten Sitzung tauchte Mujica mit seinem Motorad auf und ein Polizist sagte zu ihm, dass der Parkplatz nur für Abgeordente reserviert sei und ob er denn lange bleiben würde. Er antwortete: „Etwa 5 Jahre.“ Mujica war als Abgeordneter gewählt worden. 2009 gewann die Frente Amplio die Präsidentschaftswahl mit Mujica an der Spitze. Uruguay wird heute unter Mujica wegen seiner progressiven Politik weltweit gelobt. Zu seinen bemerkenswerten Gesetzen zählen das Abtreibungsgesetz nach internationalen Standards. Ein Thema, dessen Diskussion die Nachbarländer noch überfordert oder die sehr fortschrittliche Gesetzgebung für das Regeln des Marihuana-Marktes in Uruguay. Im Bezug auf Menschenrechte ist Uruguay laut Human Rights Watch die fortschrittlichste Regierung in der Region. El Pepe, wie er in Uruguay genannt wird, wurde von dem Britischen Magazin The Economist als „Man of the Year 2013“ gewählt.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am Januar 24, 2014 von in Politik & Gesellschaft und getaggt mit , , , , , , .
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