Neue Deutsche Presse

Lanz: Der Polit-Inquisitor

von Lale Akrenk

Die Befragung der Linken-Politikern Sarah Wagenknecht durch den Moderator Markus Lanz in dessen Talkshow hat in der Öffentlichkeit hohe Wellen geschlagen. Eine Online-Petition wurde ins Leben gerufen und in der Presse wurde die Sendung entweder verrissen oder verteidigt. Aber was war eigentlich passiert und warum die Empörung?

Maren Müller reicht es. Am 17. Januar diesen Jahres startete sie auf der Internetplattform „openpetition“ eine Unterschriftenaktion namens „Raus mit Markus Lanz aus meiner Rundfunkgebühr“, nachdem sie am Vorabend seine gleichnamige Talkshow im ZDF gesehen hatte. In einem Interview mit dem Radiosender Blue vom 21. Januar benennt sie die Art wie Lanz in dieser Sendung mit seinem Gast Wagenknecht umgegangen ist als Beweggrund für die Initiierung der Petition, die mittlerweile mehr als 200 000 Unterzeichner hat.

Im Stil einer politischen Inquisition hatte Lanz in der besagten Sendung Frau Wagenknecht Fragen zum europapolitischen Wahlprogramm der Linken gestellt, wobei er sich besonders an der Formulierung eines militaristischen Europas störte. Ein Terminus der nicht von Frau Wagenknecht stammt, wie sie dem Gastgeber permanent versucht hatte zu erklären. Dennoch konfrontierte Lanz sie den gesamten Abend mit der Frage, ob sie tatsächlich glaube, dass die EU militaristisch sei. Versuche der stellvertretenden Linken-Vorsitzenden den Bedeutungshintergrund des kritisierten Terminus darzulegen, wurden von ihm unterbrochen oder verzerrend wieder gegeben.

Stuss und Halbwahrheiten

Tatkräftige Unterstützung erhielt Lanz von dem Stern-Journalisten Jörges. Dessen Ausführungen ließ Lanz in dieser Sendung alle Zeit der Welt. Versuche der Linken Politikerin Jörges zu antworten, wurden von Lanz abgewehrt mit der strengen Bitte seinen Stern-Gast doch ausreden zu lassen. Kritik, die die Linke-Politikerin zum Zustand der heutigen EU und des Euros äußerte, schmetterte Jorges lauthalsig als unwahr ab. Der Höhepunkt seiner Ausführungen war aber als er Frau Wagenknecht bescheinigte, dass sie „Stuss“ rede.

Man muss die Ausführungen von Frau Wagenknecht zum Euro und zur Europapolitik der Bundesregierung nicht teilen. Sie hat sich aber während der Sendung in aller Deutlichkeit für ein demokratisches und friedliches Europa ausgesprochen. Daher ist es nicht verständlich, wieso Lanz und Jörges ihre Kritik an der derzeitigen EU bzw. Euro-Politik als Europafeindlichkeit verstehen.

Noch unverständlicher ist, warum Lanz seinem eigenem Publikum keine politische Urteilskraft zutraut. Jedes Mal, wenn es nach einem Redebeitrag der Linken-Politikerin applaudiert hatte, meinte er sagen zu müssen, dass ihre Aussagen populistisch seien und daher auf Zuspruch beim Publikum stießen.

Aber was auch immer Lanz über Frau Wagenknecht in dieser Sendung entlarven wollte, letztlich hat diese Sendung nur offenbart, dass seriöser Politik-Talk nicht seine Sache ist.

Wenn Lanz sich tatsächlich als politischer Moderator etablieren möchte, sollte er sich ein Beispiel am Kollegen Stefan Raab nehmen. Der Moderator und Showmaster von Pro Sieben beweist mit seiner Polit- Talkshow „Absolute Mehrheiten“ dass er mehr willens und fähig ist, Gästen mit anderen politischen Präferenzen als der eigenen ein gewisses Maß an Respekt entgegen zu bringen, als es Lanz in seiner Sendung je vermochte.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am Januar 27, 2014 von in Standpunkte und getaggt mit , , .
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