Neue Deutsche Presse

Hufington Post: Die Welt ist nicht genug

von Danica Bensmail

Journalismus Quereinsteiger Nicolas Berggruen und Medienfuchs Arianna Huffington wollen die Welt verändern – mindestens. 

Vor einem Vierteljahr lancierte die Huffington Post mit einigem Tamtam ihren deutschen Internetauftritt. Die etablierten Medien zeigten sich empört. Groß war die Angst vor der Agilität und Dynamik der Huff Po. Kritiker warfen dem Online-Portal vor, den Qualitätsjournalismus durch copy/paste Praktiken zu verwässern.

Vergangene Woche meldete Arianna Huffington sich zurück. Im Rahmen des 44. World Economy Forums (WEF) präsentierte sie inmitten der Elite aus Wirtschaft, Politik und Medien ihr neues Projekt: Die World Post.

Dabei handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt des Huff Po Inhabers AOL und des Berggruen Institute on Governance. „Reshaping the world“, so das Motto des WEF 2014. Geht es nach Huffington und Berggruen, wollen auch sie mit dem Projekt die Welt verändern. Mindestens.

Jung, dynamisch und vor allem eines will man sein: Anders. Mal wieder. Nicolas Berggruen. Bohemien des Kapitals, Karstadt-Messias und selbsternannter Philanthrop. Ein Marxisten Milliardär, den Eigentum langweilt, der seine Immobilien verkaufte und es vorzieht um die Welt zu vagabundieren – in fünf Sterne Hotels. Das ist anders.

Im Gegensatz zur Huff Po setzt die World Post gezielt auf Autoren mit Namen, die weltweit Gewicht haben. Eben jene Namen soll und kann Miteigner Berggruen liefern. Auch er will die Welt verändern und hat viele Ideen. Einige erläutert er in seinem Buch „Klug regieren: Politik für das 21. Jahrhundert“. Darüber hinaus sammelt der Milliardär in seinem Berggruen Institute on Governance (NBI) alles was politischen, wirtschaftlichen und akademischen Rang und Namen hat. Sei es im hauseigenen Think Tank oder im 21st Century Council in dem sich unter anderem auch Gerhard Schröder so seine Gedanken um die Zukunft der Welt macht.

Zwei Enden eines Spektrums

2012 lancierte die Huff Po eine Bürger-Journalismus-Kampagne und proklamierte den „open-source journalism“ des digitalen Zeitalters. Zwei Jahre später legt man das Wort der Welt lieber in die Hände einiger weniger. Bevorzugt Silicon Valley Milliardäre. Zu den Autoren zählen, Richard Branson, Google-Chef Eric Schmidt oder Bill Gates. Sie sollen regelmäßig ihre Meinung zu aktuellen Themen äußern.

Ob sich das Konzept rentiert? Das Projekt müsse in jedem Fall Profit abwerfen, um tragfähig zu sein, sagt Huffington. Berggruen, etwa 40 mal reicher, sieht das entspannter. „If it doesn’t make money, we will still support it“, sagte er dem Guardian.

Ein sprunghafter Milliardär, mit politischem Geltungsdrang, der eine Medienehe mit A. Huff eingeht, provoziert unweigerliches Stirnrunzeln. Berggruen muss sich dem Vorwurf stellen, aus der World Post ein Meinungs-Outlet des NBI und nicht zuletzt einen Klüngel-Klub zu machen. Die Autoren, so gewichtig ihr Wort sein mag, sind journalistische Laien und viele von ihnen sitzen auf NBI Berater Posten, so auch WP Chefredakteur Nathan Gardels.

Aller Anfang ist schwer. Glücklicherweise ist Journalismus bekanntlich das Metier für Quereinsteiger. Berggruen befindet sich dementsprechend in bester Gesellschaft. Amazon-Gründer Jeff Bezos kaufte Ebay-Chef Pierre Omidyar im vergangenen Jahr die Washington Post vor der Nase weg. Omidyar gründete daraufhin kurzerhand mit Guardian Kolumnist Glen Greenwald sein eigenes Unternehmen: First Look Media.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am Januar 29, 2014 von in Standpunkte und getaggt mit , , , , , , , .
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