Neue Deutsche Presse

Islam und Christentum kostenlos

 von Eman Elbakry

In Berlin verteilen islamische und christliche Glaubensgemeinschaften kostenlos Koran und Bibel. Aber was ist die Absicht dahinter?

Berlin, Wilmersdorfer Straße. Vier Frauen mit streng gebundenem Kopftuch verteilen an einem Stand den Koran in verschiedenen Sprachen, deutsch, englisch, französisch. Schaut man neben den Stand, sind mehrere Kartons mit Koranbüchern zu sehen. Ein paar Schritte abseits von den Frauen, aber doch ganz in der Nähe, stehen drei Männer, lange Bärte, grüne Gebetsmütze, wahrscheinlich die Ehemänner der Damen. In der Ferne steht ein Minibus, zu dem die Herren ab und zu gehen.

(c) Eman Elbakry

(c) Eman Elbakry

Einer der vier Frauen sagt sie sei deutscher Abstammung. Die anderen erzählen, dass sie aus der Türkei stammen. Auf die Frage, warum sie den Koran verteilen, antwortet die deutschstämmige Muslima, dass sie mit der Aktion, das Image des Korans in der Öffentlichkeit verbessern wollen. Auch die Frage, wer den Buchdruck, das Layout und die kostenlose Verteilung des heiligen Buch der Muslime finanziert, wird ausschließlich von der deutschen Dame mit Kopfbedeckung beantwortet. „Das haben wir alles selbst finanziert, diese Aktion wird von niemanden finanziell unterstützt,“ versichert sie.

An diesem Mittag verteilen die drei Damen sehr viele Koranbücher. Viele der Passanten in der Wilmersdorfer Straße gehen auf den Stand zu und lassen sich den Koran aushändigen. Scheinbar sind sie von der Idee einer kostenlosen Verteilung des heiligen Buches sehr angetan, vielleicht ist es aber auch das nette Lächeln der Damen, dass sie zu dem Stand lockt.

Hastige Abfahrt

Nach einer halben Stunde sieht man, wie einer der Männer mit langen Bart und grüner Gebetsmütze ein Anruf erhält. Während des Gesprächs verfinstert sich sein Gesicht. Er legt auf und im gleichen Atemzug beginnt er den Damen Anweisungen zu geben. Diese räumen daraufhin den sorgsam aufgebauten Stand ganz hastig zusammen. Die Bücher werden in Kartons verpackt, der Stand wird zusammengeklappt und die drei Männer, die sich bislang im Hintergrund aufgehalten haben, schaffen Stand und Bücher in den Minibus. Hastig steigen die Frauen noch ein und schon fahren sie weg. Minuten erreichen drei Polizeiautos die Wilmersdorfer Straße. Die aus den Wagen steigenden Polizisten wandern die Einkaufsmeile ab und drehen die Köpfe hin und her, als ob sie auf der Suche nach jemanden oder etwas wären.

Bibelverteilung in der U2

(c) Eman Elbakry

(c) Eman Elbakry

Ein anderer Tag. Wittenbergplatz. Männer und Frauen mit plakatierte Rollkoffern, die fragen „Was lehrt die Bibel wirklich“, „Ist mit dem Tod alles vorbei“. Die U2 kommt, die Damen und Herren mit den Rollkoffern steigen ein, mit freundlichen Gesichtern verteilen sie das heilige Buch der Zeugen Jehovas. In ihren Rollkoffern haben sie verschiedensprachige Bibelausgaben. So zaubern sie aus ihren Taschen auch eine arabischsprachige Ausgabe hervor. Die kostenlose Bibelverteilung verläuft ohne Hektik, ihre Gesichter wirken entspannt und sorglos.

Die beiden Vorfälle werfen die Frage auf, ob Religion tatsächlich Werbung braucht. Ist der Glaube an Gott nicht eine persönliche Sache, eine innere Beziehung zwischen Gott und Mensch, die nicht Marketing braucht, sondern reinen Glauben. Bibel und Koran sind heilige Bücher, ihr Inhalt sollte Menschen Halt und Hoffnung im täglichen Leben geben. Die Verteilung der heiligen Schriften an einem Stand und in der U-Bahn, wird der Botschaft dieser Bücher nicht gerecht, sie wirkt marktschreierisch und wirkt missionarisch. Egal, ob Christentum, Judentum oder Islam, jeder Mensch sollte seinen Weg zu Gott alleine finden und sollte frei sein zu glauben.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am Januar 31, 2014 von in Standpunkte und getaggt mit , , .
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