Neue Deutsche Presse

Only bad news are good news – nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten

 (c) Peter Franz / pixelio.de

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von Ismail Oktay

Die Medien sind voll mit Skandalmeldungen: Sie bringen bessere Auflagen und Einschaltquoten als gute Nachrichten. Aber sind sie auch immer sachlich neutral?

Eine Analyse.

Viele Menschen lesen eine Tageszeitung, fast alle schauen Fernsehen oder hören Radio. Der Anteil der Personen, die privat täglich das Internet nutzen, stieg von 2001 bis 2013 von 37 auf 76,5%. Damit erreichen Nachrichten, die über diese Medienkanäle verbreitet werden, täglich eine Vielzahl von Menschen.

Die Printnachrichten müssen mit packenden Überschriften und interessanten Geschichten auf dem umkämpften Markt um die Aufmerksamkeit der Leser konkurrieren, TV-Sender brauchen oft spektakuläre Bilder, schnelle Schnitte und aufsehenerregende Visualisierungseffekte. Eines ist allen Medien gemeinsam: Die Tendenz zur Skandalisierung, Übertreibung und Zuspitzung. Diese Tendenz trifft für einige Medien mehr zu, als für andere.

Zwar gibt es auch Medien, die kritisch mit Informationen umgehen, jedoch sind dies eher unpopuläre, denen oft auch nicht so große finanzielle Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Deswegen erreichen sie weniger Menschen. Der interessierte und aufgeklärte Leser ist so immer mehr gefordert, Berichte selbst kritisch zu hinterfragen. Nicht jeder hat immer Zeit und Lust selbst zu recherchieren und viele Leser sind von dem Überangebot, das sich penetrant aufdrängt, überfordert. Die Wahrnehmung zwingt daher jeden, zu selektieren. Dabei gehen oft seriöse Medienberichte unter, die sich nicht in den Vordergrund drängen. Einfach aufgearbeitete, spannende und vor allem packende Berichte, die die Zuschauer fesseln, sind nötig, um die Einschaltquoten im TV und die Auflage bei Druckmedien zu steigern. Immer mehr Konsumenten wollen leicht aufgearbeitete und verständliche Berichte, da sie im Alltag schon viel zu viele Informationen verarbeiten müssen, um in unserer komplexen Gesellschaft zu bestehen. Die Folge ist, dass umfassende Erklärungen verkürzt werden, was zu einer verfälschten Aussage führen kann.

Anonymität im Netz und die Folgen

Nahezu alle Informationen lassen sich in Sekundenschnelle mit den gängigen Suchmaschinen Im Internet finden, doch nicht alle Informationen sind auch tatsächlich korrekt. Da jeder anonym im Internet sehr leicht etwas veröffentlichen kann, sind auch viele falsche Informationen, Spekulationen oder auch Vorwürfe dort zu finden. Das Problem daran ist, dass Behauptungen und Gerüchte – gerade anonym – sehr schnell ohne Beweise im Netz auftauchen und dort dann für immer bleiben.

Was nützt es, wenn, wie im Falle des langjährigen Geschäftsführer der Islamischen Föderation in Berlin, Gerichte in höheren Instanzen falsche Urteile aufheben, aber die Medien darüber nicht berichten ? Weder über die teilweise Aufhebung des Urteils im Revisionsprozess vor dem Bundesgerichtshof, noch über den anschließenden kompletten Freispruch in der gleichen Angelegenheit durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg wurde in den Medien berichtet. Noch immer ist die unrechtmäßige Verurteilung des Geschäftsführers der Islamischen Föderation unkommentiert im Internet zu finden, die vollständige Rehabilitation hingegen sucht man vergebens..

Wie das Beispiel zeigt, sind die Medien in vielen Fällen nicht um eine ausgewogene und qualitativ gute Berichterstattung bemüht. Es stellt sich die Frage nach dem Warum. Vielleicht, weil solch eine Berichterstattung dem vorgefertigten Bild über Personen, Gruppen oder Sachverhalten in der Gesellschaft dient.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am Januar 31, 2014 von in Politik & Gesellschaft und getaggt mit , , , , .
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