Neue Deutsche Presse

BRICS: Vom Wirtschafts- zum Papiertiger?

© Jon_Tucker/flickr.com

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von Lale Akrenk

Die BRICS-Staaten galten in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft als aufstrebende Wirtschaftssupermächte. Doch die Entscheidung der amerikanischen Zentralbank FED ihre lockere Geldpolitik künftig zu zügeln, lässt die einstmaligen Lieblingskinder der globalen Finanzwelt taumeln.

Real, Rupie, Rubel, Rand – Diese Währungen vereint mehr als ihr Anfangsbuchstabe. Es sind die Landeswährungen von vier der insgesamt fünf BRICS Staaten: Brasilien, Indien, Russland und Südafrika.

Vor zwölf Jahren prophezeite Goldmann Sachs Banker Jim O’Neil den Schwellenländern in den kommenden 50 Jahre ein immenses politisches und wirtschaftliches Wachstum. Ihre Gesamtwirtschaftskraft werde sogar die der heutigen G6-Länder übertrumpfen, so die Meinung des Bankers.

Es folgte ein Jahrzehnt, des Kapitalzuflusses in die Märkte der BRICS-Staaten. Kapital, Aktien, Staatsanleihen, alles was einen BRIC-Bezug hatte, wurde von Investmentbanken wie Goldman Sachs an Anleger vermittelt. In den 2000er Jahren galten sie als Finanzprodukte mit garantierter Rendite.

Laut Spiegel stieg die Wirtschaftsleistung der Staatengemeinschaft zwischen 2001 bis 2013 von 3 auf 15 Billionen. Während der Markt im EU-Raum und in den USA 2008 in den Sog der Weltwirtschaftskrise geriet, boomten die Volkswirtschaften der BRICS-Länder. Bis 2012 galten dortige Investitionen vielen Anlegern als sichere Gewinnanlage. An ein Ende des Wirtschaftsbooms dieser Märkte dachte damals niemand.

Die FED dreht den Hahn zu

Juni 2013. Ben Bernanke, Ex-Chef der amerikanischen Zentralbank (FED), kündigte an, die Notenbank werde den Ankauf von US-Staatsanleihen und Hypothekenpapieren langfristig zurückfahren.

Man werde zukünftig weniger Geld drucken. Der Geldfluss in den amerikanischen und globalen Weltwirtschaftskreislauf werde dementsprechend dünner. Mit der „Politik des billigen Geldes“ war Schluss.

2008 platze die Blase. Die USA standen knietief in der Wirtschaftskrise. Um dem Land wieder auf die Beine zu helfen, druckte die FED monatlich 110 Milliarden Dollar und erwarb davon unter anderem Staatsanleihen.

Der amerikanische Wirtschaftskreislauf rotierte fleißig vor sich hin. Über Banken und Investoren floss das Geld schließlich auch in die globalen Märkte. Dort bediente es den Investitionsbedarf der boomenden BRICS-Staaten und anderer aufsteigender Schwellenländer.

Taumelnde BRICS-Staaten

Nach Bernankes Ankündigung zogen Anleger ihr Kapital aus den BRICS-Staaten, um es in die USA zu reinvestieren.

Die Kapitalflucht entwertete viele der Währungen. Um einem weiteren Kursverfall des eigenen Geldes vorzubeugen, erhöhten Indien und Südafrika ihre Leitzinsen. Das Ergebnis: Zinssteigerungen beim Ankauf von Staatsanleihen.

Im November dann ein weiterer Kapitaleinbruch in den BRICS-Staaten. FED-Chefin Janet Yellen stellte Investoren höhere Zinsen und Renditen im US-Markt in Aussicht.

Dieser abrupte Abfluss von Kapital ist eine große Gefahr für Schwellen- und BRICS-Länder. Sie alle importieren mehr als sie exportieren. Die Devisen reichen nicht, um importierte Waren zu zahlen. Kapital aus dem Ausland muss her.

Nun stellt sich die Frage: Was sind die BRICS-Länder? Wirtschafts- oder doch nur Papiertiger? Die künftigen Superwirtschaftsmächte von einst stehen noch immer in starker Abhängigkeit der amerikanischen Zentralbank.

Bildquelle: CC image courtesy of Jon_Tucker

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am Februar 7, 2014 von in Kapital und getaggt mit , , , , .
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