Neue Deutsche Presse

Wird Papst Franziskus zum Revolutionär?

(c) Helena Uran Bidegain

(c) Helena Uran Bidegain

Von Helena Uran Bidegain

Der Ruf der katholischen Kirche ist gerade heute nicht der Beste. Zu viele Sex-Skandale, zu viel Verschwendung, zu viele Verbote! Deutsche Theologen schlagen eine neue Bewertung der alten Moral vor.

Kein Sex außerhalb der Ehe, keine Verhütung, keine Abtreibung, keine Homo-Ehe. Einfach zu viele Verbote. Die katholische Kirche erwartet durch ihre hohen moralischen Werte zu viel von den Gläubigen. Vor allem heute, 2014, möchten die Menschen mehr denn je ein freies Leben führen.

Im vergangenen Herbst veranstaltete der Vatikan eine weltweite Meinungsumfrage zu klassischen Familienthemen wie Verhütung, Scheidung und Zölibat. Die deutschen Umfrageergebisse, die im Januer erschienen sind, zeichnen ein neues Bild des katholischen Alltags.

Heute leben homosexuelle Paare zusammen wie Hetero-Paare, in einer liebevollen Ehe. Es wird verhütet, weil Sexualität eine neue Bedeutung hat und wenigstens in Deutschland haben Frauen mehr denn je, die Enscheidungsgewalt über ihren eigenen Körper, Abtreibung eingeschlossen.

Die Antwort der deutschen Theologen auf die Umfrage ist deswegen nur richtig: „Die kirchliche Sexuallehre basiert nur auf einer idealisierten Realität.”

Sicherlich keine neue Erkenntnis, aber man muss zugeben, dass es sich hierbei um einen mutigen Schritt handelt. Einen Schritt, den bislang noch kein Repräsentant der katholischen Kirche oder einer anderen Kirche wagte.

Die katholische Kirche wacht auf

Die katholische Kirche ist aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht – zumindest in Deutschland wird eine ehrliche Diskussion über die Neubewertung der alten Moral für wichtig gehalten.

Die Ergebnisse der Umfrage sollen im Rahmen einer Bischofssynode im Herbst 2014 und 2015 diskutiert werden.

Die Kirche braucht dringend ein Update, das sie mit dem Alltag der Menschen, vor allem in den westlichen Ländern, vereinbar macht. Was die Menschen auf der Straße schon lange wussten, bedurfte für den Vatikan erst einer großen Umfrage. So obsolet und anachronistisch die Sichtweise der katholischen Kirche auch ist, so überraschend ist diese erste Öffnung.

Ein revolutionärer Schritt, mit großem Potential. Dennoch bleibt abzuwarten welches Gewicht die Stimmen der deutschen Theologen auf der Bischofssynode im Oktober 2014 haben werden und ob der konservative Flügel der Kirche dem Aufruf zum Paradigmenwechsel Folge leisten wird.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am Februar 7, 2014 von in Standpunkte und getaggt mit , , , .
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