Neue Deutsche Presse

Zum goldenen Hahn

von Aura Cumita

Zum goldenen Hahn am frühen Nachmittag. Eine Kiezkneipe am Heinrichplatz. Laute Musik. Jimmy Hendrix mit „Hey Joe“ ist aus dem Lautsprecher zu hören. Die Barkeeperin schenkt Alfons ein Schluck Wodka ein. Er sitzt am Bartresen. Lange weiße Haare, schwarze Mütze, schwarze Lederjacke, schwarze Hosen und schwarze Ledertasche. „Ich kenne den Laden seit 30 Jahren. Er dürfte schon 40 oder gar 50 Jahre alt sein.“, sagt er.

An einem Tisch sitzt ein Mann und trinkt aus einer Flasche Bier. Er heißt Christian und ist Erzieher. Aus der Hosentasche schaut ein Schlüsselbund mit FC. Sankt Pauli raus. Christian besitzt einen Dackel. Ella heißt der Hund. „Wie Ella Fitzsgerald“, seine Lieblingsmusikerin. Ella bellt immer wieder. „Ich bin doch keine Feindin“ sagt die Barkeeperin, als sie an Ella vorbei geht um einem Kunde, der draußen sitzt, ein Gläschen Wodka zu bringen. Christian kommt hier „ab und zu mal, immer wieder“. „Solche Menschen, wie Alfons, wenn sie in üppigen Kneipen gehen, die würden sagen: Er ist ein Penner. Hier mischen sich alle. Es spielt keine Rolle wer du bist“, fügt er noch hinzu.

Hinter dem Tresen unterhält sich die Barkeeperin mit Alfons. Ein Schrank mit Vitrinen voll bedeckt mit Postkarten. Es ist schwer zu erahnen was dahinter steckt. Doch gar nicht. Da sind die Gläser aufgestellt. Zwischen den vielen Postkarten steht schwarz auf weiß: „Gäste, die trinken um zu vergessen, werden gebeten vorher zu bezahlen.“ Auf dem Schrank sind aus verschiedensten Materialien angefertigte Hähne zu sehen. Da ist auch ein goldener Hahn. Neben dem Tresen, oben auf einem Stuck Baumholz steht ein großer ausgestopfter, echter Uhu. „Staubiger Uhu. Er wartet auf den Frühlingsputz“, sagt die Barkeeperin.

Ein Mann mit einem australischen Hut aus Elchleder tritt ein. Er setzt sich an dem Tisch neben Christian und bestellt sich einen Whiskey. Und dann Bier. Ella bellt. „Hör mal auf Junge, sonst kriege ich Angst“, sagt Papuš. „Ist eine Prinzessin“, erwidert Christian. Papuš nimmt seinen Hut auf. „Ich habe auch Haare“, sagt er und lacht laut. Papuš war mal Pantomime. Jetzt betreibt er ein Hostel.

Kurz darauf kommt eine Frau mit einem großen Hund, ein Colli-Goldener Retriever Mischling. Sie trägt eine schwarze Lederjacke, die sie gleich auszieht und bestellt sich Bier und Wodka. Kerstin heißt sie. Ein schwarzes T-Shirt mit der Inschrift: Trinkteufel trägt sie. Sie hat eine feine Gesichtshaut und ist elegant geschminkt. Sie kennt Papuš sehr gut. Sie grüßen sich. Nach einer Weile setzen sich Christian, Papuš und Kerstin zusammen an einen Tisch. Sie und Christian stoßen mit einem Gläschen Wodka an. Mit Bier stillen sie sie.

Die Stühle sind abgewrackt. Die Tische auch. Sie sind mit rot-weiß und blau-weiß kariert gestreiften Tischdecken bedeckt. Außer ein Tisch. Der ist mit einem mit Hähnen bedruckten Wachstuch bedeckt. Das soll wohl der Stammtisch sein. „Jetzt wollen wir den Alfons beschallen“, sagt die Barkeeperin und dreht die Musik lauter.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Information

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am Mai 20, 2014 von in In Berlin und getaggt mit , , , , .
%d Bloggern gefällt das: